Dickdarm

Was sind Divertikel? Ist das ein häufiges Problem?

Abb. 1 Schema Darmwand? Divertikel

Abb. 1 Schema Darmwand Divertikel

Abb. 2 Anatomisches Divertikel - Präparat

Abb. 2 Anatomisches Divertikel - Präparat

Abb. 3 %-Häufigkeit in Relation zum Alter

Abb. 3 %-Häufigkeit in Relation zum Alter

Abb. 4 Problemzone Dickdarm: Sigma

Abb. 4 Problemzone Dickdarm: Sigma

Divertikel sind erworbene Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Lücken der Darmmuskulatur. Sie können grundsätzlich im gesamten Verdauungstrakt (Speiseröhre, Magen, Dünn – und Dickdarm) vorkommen. In Ländern mit hohem Lebensstandard sind Divertikel des Dickdarms besonders häufig.
(vgl. Abb. 1 – 4)

Divertikulose oder Dickdarmdivertikelkrankheit?

Die Grosszahl der Divertikel sind bedeutungslos und machen keine Symptome. Die meisten Divertikelträger wissen und spüren nichts davon. Krankheitswert erhalten Divertikel erst, wenn es zu Komplikationen kommt (vgl. unten). Der S-förmige Dickdarmabschnitt (=Sigma) ist mit 80-90 % der bevorzugte Darmabschnitt für das Auftreten von Divertikeln. Obwohl sehr viele Menschen Divertikel entwickeln, bleiben über 70-80% der Betroffenen zeitlebens beschwerdefrei.

Definitionen

Divertikulose: zahlreiche Divertikel im Darm
Divertikelkrankheit: Vorliegende Divertikel führen zu Beschwerden, Entzündungen oder andern, teils gravierenden Komplikationen.
Divertikulitis: Entzündung eines oder mehrerer Divertikel. Der Entzündungsherd kann dabei auf die unmittelbare Umgebung begrenzt sein oder auf benachbarte Strukturen übergreifen.

Warum entstehen Divertikel?

Zur Entstehung braucht es eine Druckerhöhung im Inneren des Darmes. Diese wird durch eine Obstipation (= Verstopfung) unterstützt. Einen gewissen Beitrag leisten auch Nervenstörungen der Darmwand mit daraus folgender verstärkter Darmmuskelaktivität.

Symptome? – Komplikationen?

Die häufigste Komplikation einer Divertikulose sind entzündliche Schübe. Sie treten bei ca. 20% der Betroffenen auf.

Stuhlpartikel in den Divertikeln lösen die Entzündung oder eine Blutung aus. Die Entzündung kann auf die Darmwand beschränkt bleiben, auf andere, benachbarte Organe übergreifen, also eine Fistel, z.B. in die Harnblase ausbilden oder im Extremfall sogar zu einem Durchbruch (=Perforation) mit kotig-eitriger Bauchfellentzündung und Abszessen führen.
Die Entzündung erklärt auch die Symptome wie Spontanschmerzen, Bauchkrämpfe, Stuhlunregel-mässigkeiten und evt. Fieber. Wiederholte Entzündungsschübe können schliesslich durch Vernarbung zur Verengung des befallenen Darmabschnittes (=Stenose) und dadurch zu vermehrten Beschwerden und immer wiederkehrenden, erneuten Schüben führen(=komplizierte Divertikulose). Perforationen treten allermeist beim ersten entzündlichen Schub auf. Die Meinung/Empfehlung man solle nach einem zweiten Schub unbedingt operieren wird aufgrund neuerer Erkenntnisse immer mehr verlassen. Vor allem komplizierte Verleofsformen stellen eine Indikation zur Operation dar, bevorzugt im entzündungsfreien Intervall.

Alternativen zu einer Operation?

Ein Entzündungsschub bedarf einer zunächst konservativen Therapie mit Nahrungskarenz und antibiotischer Behandlung. Änderung der Ernährungsgewohnheiten, mehr Ballaststoffe und faserreiche Kost, genügend Flüssigkeit, Vermeiden einer Obstipation, körperliche Aktivität und mehr Bewegung sind wichtig. Bei erneuten Entzündungsschüben ist die Operation die Therapie der Wahl.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Zuerst aus der Patientenbefragung, den klinischen Befunden und Laborwerten. Bildgebende Diagnosebestätigung u./o. Ausschluss einer anderer Problematik liefern Dickdarmspiegelung und Computertomographie.

Abb. 5 Dickdarmkontraströntgen

Abb. 5 Dickdarmkontraströntgen

Abb. 6 Divertikel im Sigma

Abb. 6 Divertikel im Sigma

Abb. 7 Dickdarmspiegelung

Abb. 7 Dickdarmspiegelung

Was wird genau operiert?

Der befallene Darmabschnitt, meist das ganze Sigma inklusive der Übergangszone zum Enddarm werden entfernt (ca. 25-30cm). Die beiden Darmenden werden End-zu-End miteinander vereint. Nur in ganz seltenen Fällen muss vorübergehend ein künstlicher Darmausgang (=Stoma) angelegt werden. Meist ist dies bei weit fortgeschrittenen Fällen, in der Notfallsituation mit ausgedehnter Bauchfellentzündung wegen freiem Durchbruch in die Bauchhöhle oder bei Auftreten eines Lecks an der Nahtstelle (=Anastomose) nötig. Die Wahleingriffe im entzündungsfreien Intervall können meist mittels laparoskopischer OP-Technik operiert werden. Die Vereinigung der beiden Darmenden erfolgt durch ein Rundstaplergerät (Titanklammern, vgl. Abb.10).

Um genügend Darmlänge für diese Vereinigung zu erhalten, muss der gesamte linkseitige Dickdarm inkl. linker Flexur (= milznahe linke Dickdarmkurve) und gegen den querverlaufenen Dickdarm ausgelöst werden. Dies ist ein wichtiger OP-Schritt, damit keine Spannungsprobleme an der Anastomose entstehen.

Abb. 8 OP-Schema

Abb. 8 OP-Schema

Abb. 9 Resektion

Abb. 9 Resektion

Abb.10 CEEA-Stapleranastomose

Abb.10 CEEA-Stapleranastomose

Nachteile nach einer Operation? OP-spezifische Risiken?

Der restliche Dickdarm übernimmt die Aufgaben vollumfänglich, die Patienten haben normalerweise 1 – 3 x pro Tag Stuhlgang. Dies entspricht einer normalen Stuhlfrequenz. Die Reservoirfunktion des Enddarmes ist durch die Resektion etwas vermindert, was zu weniger voluminösen, dafür etwas häufigeren Stuhlentleerungen führen kann.

Risiken: Wundinfekt bis 10%, Anastomoseninsuffizienz/-Leck in 5 – 10% allenfalls Notwendigkeit zur Reoperation und Anlage eines vorübergehenden künstlichen Darmausganges.

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Ich bin gerne bereit, Ihnen Auskunft zu geben.