Hämorrhoiden

Hämorrhoiden? – …Reden wir darüber!

äussere Hämorrhoiden/innere Hämorrhoiden

äussere Hämorrhoiden / innere Hämorrhoiden

Liebe Patientin, lieber Patient

Hämorrhoiden sind ein „Volksleiden“. Sie sind nicht die/der Einzige. „Über Hämorrhoiden spricht der Patient nicht, man hat und erträgt sie geduldig und stillschweigend!“

Mit diesem Merkblatt möchte ich Sie informieren und ermutigen, bei Hämorrhoidalbeschwerden medizinischen Rat einzuholen. Bitte zögern Sie nicht zu fragen.

Was sind Hämorrhoiden?

Jeder Erwachsene hat einen hämorrhoidalen Schwellkörper. Hämorrhoiden sind natürliche Schleimhautpolster aus Venengeflechten, Bindegewebe und Muskelfasern im untersten Teil des Mastdarmes, die neben dem eigentlichen Schliessmuskelapparates für den Feinverschluss des Enddarmes (die sog. Feinkontinenz) verantwortlich sind. In Ruhe verschliessen diese Polster den Enddarm und müssen dann bei der Stuhlentleerung kleiner werden, um den Durchtritt von Stuhl zu ermöglichen.

Diese Hämorrhoidalpolster sind normalerweise im Bereich des Schliessmuskels im Enddarm durch Bindegewebs- und Muskelfasern befestigt. Wird diese „Aufhängung“ durch häufiges übermässiges Pressen oder erhöhten Druck im Mastdarm geschädigt, gleitet die Schleimhaut mit den immer grösser werdenden Polstern nach unten. Dadurch kommt es dann zu einer Abflussbehinderung des Blutes und damit zu einer krankhaften Vergrösserung und Verlagerung der natürlichen Hämorrhoidalpolster.

Entstehung begünstigend

  • Falsches und starkes Pressen beim Stuhlgang
  • Erhöhter Druck im Bauchraum, Schwangerschaft und Geburt
  • Harter Stuhl, Verstopfung
  • Durchfall

4 Stadien

Man klassiert die Hämorrhoiden je nach Ausgedehntheit und somit pathologischem Verhalten in 4 Stadien, die stadiengerecht auch unterschiedlich behandelt werden können. Blutungen können in jedem Stadium auftreten!

Stadium I: Vergrösserte Polster mit Beschwerden ( nur proktoskopisch erkennbar )
Stadium II: Vorfall von schleimhautbedeckten Knoten beim Stuhlgang, ziehen sich von alleine wieder zurück.
Stadium III: Vorfall von Knoten, die manuell wieder zurückgeschoben werden müssen
Stadium IV: grosse, ständig vorgefallene Knoten, bleiben äusserlich sichtbar und lassen sich nicht reponieren.

Typische Beschwerden

  • Blut am Stuhl, in der WC-Schüssel, am Toilettenpapier oder in der Unterwäsche
  • Jucken, Nässen, Schmieren, Vorfall von Knoten, Schmerzen
  • Fremdkörpergefühl, Gefühl von unvollständiger Entleerung

Wie können Sie Hämorrhoiden vorbeugen?

Ernährung

Ausgewogene, faser- und ballaststoffreiche (Gemüse, Früchte, Getreide) Ernährung und vor allem genügende Flüssigkeitszufuhr (min. 2 Liter/Tag!) sorgen für genügend und weichen Stuhl, wodurch der Druck im Mastdarm verringert wird.

Richtige Stuhlentleerung

„Man soll wenn man muss – und nicht wenn man will“! Stuhlgang soll nur erfolgen, wenn Stuhldrang besteht und nicht zu einer bestimmten Zeit erzwungen werden. Vermeiden Sie Pressen und „lange Sitzungen“ (keine Zeitung lesen auf dem WC!). Abführmittel führen zur Gewöhnung und sind längerfristig eingenommen kontraproduktiv.

Wie häufig muss man Stuhlgang haben?

Entgegen der landläufigen Meinung muss man nicht täglich einmal Stuhlgang haben!
Drei geformte Stuhlentleerungen pro Tag sind ebenso normal wie einmal Stuhlgang alle drei Tage!

Hygiene

Starkes Reiben mit Papier ist ungünstig. Besser ist der Gebrauch einer Duschbrause od. Closomates. Feuchttüchlein führen nicht selten zu einer Hautreizung und haben ein nicht zu vernachlässigendes Allergiepotenzial! (v.a. Kamillosanpräparate mit Arnika = unter den Top 20 der Allergene!)

Sport und Bewegung

Regelmässige Bewegung und sportliche Aktivitäten fördern die Darmtätigkeit positiv.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

  • Richtige Ernährung und genügende Flüssigkeitszufuhr
  • Zäpfchen, Salben und Medikamente (keine lange Verabreichung kortisonhaltiger Salben)
  • Verödung oder Abbinden mittels Gummibandligaturen Stad. I / II (evt. III) ambulant und völlig schmerzlos (vgl. Abb.)
Gummibandligatur nach Barron

Gummibandligatur nach Barron

Operative Verfahren

Eine Operation kommt in fortgeschritteneren Stadien in Frage (III / IV) und bei Blutungen/Thrombose, sowie bei Misserfolg der konservativen Behandlung.

Abb. 2+3) operativ nach Milligan-Morgan oder Ferguson - Abb. 4+5) Stapler OP nach Longo

Abb.2+3 operativ nach Milligan-Morgan oder Ferguson - Abb.4+5 Stapler OP nach Longo

Offene Hämorrhoidenoperation (n. Milligan-Morgan oder Ferguson) vgl. Abb.2+3

Die vergrösserten Hämorrhoidenpolster werden entfernt, Abbinden der sie versorgenden Gefässe um einen Rückfall zu vermeiden, offen belassen oder Naht der Schleimhaut. Schonung der Schliessmuskulatur. Nachbehandlung mittels täglichem Ausduschen der Wundregion und medikamentöse Stuhl-Regulation.

Transanale Mukosaresektion n. Longo vgl. Abb. 4+5

Dieses neuere Verfahren rafft und entfernt Schleimhaut im untersten Mastdarm mit einem Klammernahtgerät das via After eingeführt wird. Durch die Entfernung des Schleimhautstreifens wird der Vorfall behoben. Die Blutzufuhr zu den Venengeflechten wird verringert und die Polster werden dort wo sie hingehören fixiert.

Leider noch keine Langzeitergebnisse und häufiger Komplikationen. Indikation v.a. bei ausgedehnten, zirkulären Befunden, teures Klammernahtgerät.

RAR (recto-anal-repair)

Ebenfalls neuere Methode bei der mittels einer Umstechung an der Basis der Knoten unter Ultraschallkontrolle die Blutzufuhr der Knoten gedrosselt wird. Zusätzlich werden prolabierende Schleimhautanteile mit einer Naht hochfixiert.

Leiden Sie unter Hämorrhoiden? Bitte scheuen Sie sich nicht Fragen zu stellen oder vereinbaren Sie einen Termin. Ich berate Sie gerne.

Dr. med. Alexander Zehntner
Facharzt FMH für Chirurgie