Operationen

Leistenbruch

Leistenhernie – …Reden wir darüber

Was ist ein Leistenbruch?

Ein Leistenbruch ist eine sackartige Ausstülpung des Bauchfelles durch eine Lücke in der Bauchdecke. In diese Ausstülpung rutschen Bauchorgane, meist Teile vom Dünndarm. Der Leistenbruch tritt oberhalb des sog. Leistenbandes aus und kann bei Männern bis tief in den Hodensack reichen. Der spontane Verlauf ist progredient, er verschwindet nicht von selbst sondern nimmt an Grösse zu.

Die Operation ist die einzige sinnvolle Therapiemöglichkeit.

Wodurch entsteht ein Leistenbruch? Warum ist eine Operation angezeigt?

Die Leistenregion ist eine anatomische Schwachstelle der Bauchdecke. Die Schwachstelle entsteht dadurch, dass sich in der Leiste der sog. Leistenkanal befindet, durch den beim Mann die Samenstranggebilde, bzw. bei der Frau das Mutterband (Ligamentum teres uteri = Aufhängeband der Gebärmutter) hindurchzieht. Bei jüngeren Menschen ist der Leistenbruch oft angeboren, beim jungen Erwachsenen durch stärkere körperliche Belastung während der Arbeit und Sport, beim älteren Menschen kann die Bauchdeckenlücke infolge Gewebsschwäche und/oder erhöhten Druckes im Bauchraum auftreten.

Leistenbrüche sind sehr häufig; in der Schweiz werden pro Jahr ca. 15’000 Leistenbruchoperationen durchgeführt. Männer sind etwa 10-mal häufiger betroffen als Frauen.

Nicht jede Leistenhernie verursacht Schmerzen. Meist wird eine Vorwölbung im Stehen nach körperlicher Belastung oder beim Husten und Pressen beschrieben. Diese Vorwölbung bildet sich im Liegen meist spontan zurück. Die Gefahr einer Hernie liegt im Risiko der Einklemmung (Inkarzeration) mit ungenügender Durchblutung der vorgefallenen Organteile, was eine notfallmässige Operation (im ungünstigen Fall mit Entfernung eines Darmstückes) erforderlich macht.

Besteht nur eine Vorwölbung ohne Beschwerden, kann durchaus zugewartet werden (sog. «watchfull waiting»). Stellen sich aber auch Beschwerden ein, ist die Indikation zur OP gegeben. Unnötiges Hinausschieben führt zu Schonhaltungen mit entsprechenden muskulären Problemen, die nur durch intensive, zeitaufwändige und schmerzhafte physiotherapeutische Behandlung wieder korrigiert werden können und gerne wiederkehren.

Operationstechnik

Es gibt mehrere Techniken zur Versorgung einer Hernie. Die geeignete Methode sollte aber individuell, das heisst auf den Patienten zugeschnitten, angewendet werden.

Die Techniken unterscheiden sich bezüglich:

des Zuganges:
offen oder endoskopisch (sog. Schlüssellochchirurgie)

der Nahttechnik:
ohne Fremdmaterial oder mit Fremdmaterial (= Kunststoffnetz)

der Anästhesieform:
lokale, regionale (= „Teilnarkose“), Vollnarkose

Es gibt keine Operationsmethode bei der das Risiko für ein Wiederauftreten eines Bruches (Rezidiv) nicht vorhanden ist! Mit Netzverwendung ist die Rezidivhäufigkeit deutlich geringer (0.1 % – 1 % vs. 10% – 15%).

OP nach Rutkow/Millikan

offene Methode, Einsatz eines Kunstoffschirmchens in die Bruchpforte und eines sog. onlay-meshs um den Samenstrang und über die mittleren Leistenanteile. Alle Anästhesieformen möglich, postoperative Schmerzen etwas geringer als bei sonstigen Netzplastikmethoden.

Belastung: Vermeiden körperlicher Extrembelastung für 4 (– 6) Wochen

OP nach Lichtenstein

offene Methode, obligat Fremdmaterial (Netz)! „ein Flick aufs Loch wie beim Veloschlauch“ postop. Schmerzen geringer als bei Shouldice, alle Anästhesieformen Möglichkeit von netzbedingten Komplikationen: Verhärtung, Missempfindung, Infekt

Endoskopische Operation TEP

geschlossene Methode, invasiver, grosse Wundhöhle/-fläche, obligat Fremdmaterial (Netz)! «von hinten vors Loch»
postop. Schmerzen geringer als vorherige OP, Nur in Allgemeinnarkose Möglichkeit netzbedingter Komplikationen und spezifischer endoskopiebedingter Komplikationen.

Mögliche Komplikationen der Hernienchirurgie (gem. Literatur)

Postop. Hämatome (0 – 6,9%), Wundinfektion (0,3 – 5,6%), Ischämische Orchitis (0-2%), Darmverletzung (< 0,1%), Samenstrangverletzung (0%), Trokarverletzung (0,1 – 0,3%)

Sie haben nun einen kleinen Überblick erhalten zum Krankheitsbild des Leistenbruchs.
 Nach einer Patientenbefragung und der körperlichen Untersuchung erhalten Sie im persönlichen Aufklärungsgespräch natürlich weitergehende Informationen und vor allem die Gelegenheit Ihre Fragen und allfällige Bedenken anzubringen.

Vielen Dank

Dr. med. Alexander Zehntner
Facharzt FMH für Chirurgie

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